Förderung des mathematischen Grundverständnisses

Ich mache meine interessierten Eltern bei Gesprächen darauf aufmerksam, dass ich mit den Schüler*innen das mathematische Grundverständnis trainiere. Manch einer lässt sich dadurch verleiten zu glauben, ich hätte von Mathematik keine Ahnung. Es steckt aber etwas ganz anderes dahinter:

Viele Schüler*innen scheinen in der 1. und Anfang der 2. Klasse gut in Mathematik mitzukommen. Alle sind ganz stolz darauf, wie zackig die Aufgaben im 20er-Raum klappen. Viele Eltern haben daran großen Anteil, da sie mit ihrem Kind fleißig das Kopfrechnen „gepaukt“ haben. Doch plötzlich fällt die ganze Leistung in sich zusammen – vorzugsweise, sobald im 100er gerechnet wird. Dann ist die Ratlosigkeit groß, obwohl es eigentlich ganz einfach ist. Was ist passiert?

Plus- und Minusaufgaben im 10er- und 20er-Raum wurden vom Kind nicht verstanden, sondern ausschließlich auswendig gelernt. Das funktioniert bis in den 20er-Raum auch recht gut. Aber bereits im 100er-Raum ist die Anzahl der auswendig-zu-lernenden Aufgaben unüberschaubar. Hier kann sich das Kind mit Auswendiglernen nicht weiterhelfen. Es sind die Strategien und das Zahlenverständnis anzuwenden, doch beides hat sich das Kind nicht angeeignet. Jetzt an Symptomen herumzudoktern oder gar das „Pauken“ zu intensivieren wäre fatal. Dies würde lediglich zu Frust und Versagenserlebnissen führen.

Fehlendes Grundverständnis kann sich dabei auf verschiedene Facetten beziehen: Mengenverständnis, Verständnis des Dezimalsystems (das nicht naturgegeben ist, sondern durch einen schlauen Kopf „erfunden“ wurde) oder Verständnis des Zehnerübergangs. Ganz gleich, um welche Facette es sich handelt, ich gehe immer mit der gleichen 3-Teilung des Trainierens vor.

Einführung des Themas

Zuerst müssen wir den Schüler*innen eine Vorstellung vermitteln, worum es sich eigentlich handelt. Das kann an Alltagsbeispielen geschehen und mithilfe von Anschauungsmaterial. Als Anschauungsmaterial wird in den Grundschulen Zehner- und Zwanzigerstreifen, Rechenschieber, Hundertertafel, Zahlenstrahl, Stellenwerttafel oder auch das Einmaleinsfeld genutzt. Je nach Thema kreiere ich zusätzlich eigene Materialien. In Auseinandersetzung mit dem Material kann ich den Schüler*innen die Zusammenhänge vermitteln und erste Übungen durchführen.

Einübung des Gelernten

Erste Übungsblätter richte ich streng an den Anschauungsmaterialien aus, um den Transfer zu erleichtern. Beim Üben bleibt das Material anfangs auf dem Tisch, damit die Schüler*innen bei Bedarf daran arbeiten können.

Weitere Übungsblätter „entfernen“ sich vom genutzten Material. Hier muss erreicht werden, dass die Schüler*innen Strategien auch ohne Material verstehen und anwenden. Neben eigenen Lerneinheiten, die aus Erklärung, Einübung und Training/Wiederholung bestehen, nutze ich nach Prüfung der Tauglichkeit auch fremde Übungsblätter und Übungsbücher.

Automatisieren

Das Automatisieren des Gelernten kann nun nicht ausschließlich an Übungsblättern erfolgen. Das ständige stupide Wiederholen wäre sehr demotivierend. Daher streue ich zu diesem Zweck „Spiele“ ein, die ganz ungezwungen und quasi nebenbei Rechenfertigkeiten trainieren. Hier bin ich ständig auf der Suche nach neuen Ideen, um den Schüler*innen das Lernen abwechslungsreich zu gestalten.

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